Neues aus Sportwissenschaft und Forschung
Hier sind alle auf sportpabst erschienenen Kurzbeiträge aus der Welt der Sportwissenschaft und Sportmedizin und ihre jeweiligen Quellen aufgeführt.
Statische Dehnung als Aufwärmprogramm führt zu schlechteren Drives bei Golfpsielern
In Golferkreisen wird immer wieder engagiert über Sinn, Unsinn und richtige Durchführung eines Aufwärmprogramms vor dem ersten Abschlag gestritten. Eine brandaktuelle Studie der SFA State University in Austin, Texas untersuchte die verzögerten Effekte statischer Dehnung als Teil des Aufwärmprogramm bei jugendlichen leistungsorientierten Golfspielern. Dazu unterzogen sich zwei Testgruppen einem aktiv-dynamischem Aufwärmprogramm, bzw. einem 20 Minuten Dehnungsporgramm mit anschließendem (identischen) aktiv-dynamischen Aufwärmprogramm. Anschließend schlugen die Golfer jeweils drei Drives, die hinsichtlich Schlägerkopfgeschwindigkeit, Distanz, Drive-Genauigkeit (Fairwaytreffer) und konstantem Ballkontakt untersucht und innerhalb der Gruppen verglichen wurden. Die Testgruppe mit kombiniertem Aufwärmprogramm absolvierte das identische Testschema auch 15, 30, 45 und 60 Minuten nach dem Aufwärmprogramm, um Langzeiteffekte sichtbar zu machen.
Im Ergebnis zeigte sich, daß die Gruppe mit kombiniertem Aufwärmprogramm (statische Dehnung + anschließende dynamische Erwärmung) signifikant geringere Schlägerkopfgeschwindigkeiten (-4,92 % bis -2,19%) innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Aufwärmroutine zeigte. Analog dazu lag auch die erzielte Drivelänge bei bis zu 7,26% weniger, was bei einem durchschnittlichen Amateur einen etwa 15m kürzeren Abschlag bedeutet. Drivegenauigkeit und konstanter Ballkontakt lagen gegenüber der Testgruppe mit aktiv-dynamischem Warm-Up ebenfalls bei niedrigeren Werten.
Als Ursachen vermuten die Autoren der Studie eine stärker nachgebende Muskel-Sehnen-Einheit und einen veränderten neurologischen Zustand. Die weichere MSE könnte z.B. die komplexe Bewegungsfolge im Golfschwung aus dem gewohnten Rhythmus bringen und so zu geringerer Präzision führen. Zudem speichert ein zu geschmeidiger Muskel weniger Energie und gibt somit aus der Vordehnung auch weniger Energie frei (hier: an den Schlägerkopf).
Als Folge für die Trainings- und Wettkampfpraxis empfehlen die Sportwissenschaftler, statische Dehnungsübungen im Aufwärmprogramm zu vermeiden und besser auf ein schrittweise aufbauendes dynamisches Aufwärmprogramm zu setzen. Für Golfer mit Defiziten in ihrer Flexibilität und Beweglichkeit empfehlen die Autoren aber nachdringlich ein Dehnungsprogramm im Anschluß an Training, Wettspiel oder Ausdauertraining
GERGLEY, JC. Latent effect of passive static stretching on driver clubhead speed, distance, accuracy, and consistent ball contact in young male competitive golfers. J Strength Cond Res 24(12): 3326-3333, 2010
Kombiniertes Training mit freien Gewichten und elastischen Widerständen
Neben den klassischen freien Gewichten (Kurz- und Langhanteln, Kettlebells etc.) werden vor allem im Reha-Training auch Geräte mit elastischen Widerständen eingesetzt. Dies sind in ihrer einfachsten Form z.B. Therabänder, aber auch modernere Kleingeräte, wie z.B. der Gymstick (auch über sportpabst erhältlich!) basieren auf dem Prinzip eines elastischen Widerstands.
Eine neue Studie der NSCA (National Strength and Conditioning Association) hat die Vorteile solcher Trainingsmittel untersucht.
Dabei wurden die Anpassungen an ein Training mit der Kombination von freien und elastischen Widerständen (CR, n=21) und ein Training nur mit freien Gewichten (FWR, n=23) erfasst und verglichen.
Vor und nach einem 7-wöchigen Training wurden die Probanden hinsichtlich fettfreier Körpermasse, Maximalkraft von Kniebeuge und Bankdrücken sowie durchschnittlichem und maximalem Kraftstoß getestet. Die Übungen des Trainingsprogramms waren für beide Gruppen identisch, lediglich die Trainingsgeräte waren entsprechend der Gruppen verschieden.
In den Resultaten zeigten sich für die CR-Gruppe signifikant höhere Kraftzuwächse für Maximalkraft und Kraftstoß. Besonders deutlich waren die Unterschiede für Kniebeuge (CR um das 3fache höherer Zuwachs als FWR) und durchschnittlichen Kraftstoß (ebenfalls fast 3fach höherer Zuwachs gegenüber FWR). Somit kann das Training mit elastischen Widerständen eine sinnvolle Ergänzung zum herkömmlichen Training für Athleten und Sportarten mit betont intensiver Kraftfähigkeit für den Oberkörper (Wurfdisziplinen, Boxer z.B.) und wiederholt intensiv-dynamischen Belastungen für die Beine (Lauf- und Sprungdisziplinen z.B.) sein.
Der ganze Beitrag im Internet: http://www.nsca-lift.org/webnews/detlnews.asp?news=840
Anderson CE, Sforzo GA, Sigg JA: The Effects of Combining Elastic and Free Weight Resistance on Strength and Power in Athletes; in: Journal of Strength & Conditioning Research; 22(2): 567-574, March 2008
Sport und Immunsystem
Die positiven Effekte von Sport im Allgemeinen und Ausdauersport im Speziellen sind hinlänglich bekannt. Ein Fachbeitrag aus dem Jahre 1998, veröffentlicht im renommierten Deutschen Ärzteblatt fasst die Reaktionen im Immunsystem und Blutbild ausführlich zusammen. Initial zeigt sich eine Erhöhung der Lymphozytenkonzentration, zudem werden zahlreiche Helferzellen des Immunsystems in Bereitschaft versetzt. Auffällig war aber auch eine Abschwächung des Immunsystems in der Nachbelastungsphase intensiver / ermüdender Belastungen. Dies ging einher mit einer erhöhten Infektanfälligkeit bei nicht ausreichender Regeneration! Für das Training und die Wettkampfplanung sollte daher als Grundsatz gelten, bei leichten Infekten nur im regenerativen Bereich zu trainieren, bei z.B. fiebrigen Infekten sollte gar nicht trainiert werden, Wettkämpfe sind gesundheitlich bedenklich (Herzmuskelentzündung, plötzlicher Herztod). Der ganze Beitrag im Internet: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=9761
Baum M, Liesen H: Sport und Immunsystem; in: Dtsch Arztebl 1998; 95(10)A-538 / B-438 / C-411
Erhöht Kaffee die Verletzungsanfälligkeit?
Eine neue Studie zeigt einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Koffein (z.B. Kaffeetrinken) im Rahmen einer sportlichen Belastung und erhöhten Stressreaktionen im muskulären System. Die Untersucher stellten im Anschluss an eine Wettkampfbelastung (Fussballspiel) eine um 35% erhöhte Freisetzung von Lymphozyten nach Koffeineinnahme fest, die für eine höhere muskuläre Schädigung spricht. Neben der bekannten anregenden und leistungssteigernden Wirkung scheint das Koffein die Muskelzellen und das umgebende Gewebe mehr zu stressen, als wenn kein Koffein eingenommen wird. Somit könnte Koffein zu einer erhöhten Verletzungsanfälligkeit führen!
Bassini-Cameron A et al: Effect of caffeine supplementation on haematological and biochemical variables in elite soccer players under physical stress conditions. BJSM 41 (2007) 523-530
Aktiver Cooldown beugt gefährlichem Blutdruckabfall vor!
Eine kürzlich in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin veröffentlichte Studie zeigt, was seit längerem zum Grundrepertoire jedes Personal Trainings gehören sollte:
Nach maximalen Belastungen hilft eine aktive Erholung (in diesem Fall Fahrradfahren ohne Widerstand), die Gefahr von Synkopen und plötzlichen Blutdruckabfällen zu reduzieren. Dabei ist die Pulserholung im Vergleich zur absoluten Ruhe nicht signifikant anders. Am Ende ihres Trainings sollten Sie daher eine kurze Erholungsphase mit aktiver Muskelarbeit einplanen, um so die Muskelpumpe die Regeneration und Prävention übernehmen zu lassen.
Nakahara et al.: Time course of blood pressure changes immediately after maximal exercise, J Sports Med Phys Fitness 46, 2006
letztes update: 2010-11-23 19:23:53 von Markus |
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